Wie helfen?

Leicht wird es nicht. Aber genau deswegen ist das Engagement – Ihr Engagement! – auch so wichtig.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich zu engagieren. Wir haben uns sieben Schwerpunktbereiche herausgegriffen und skizzieren, wie wirksames Engagement konkret aussehen kann.

Jeder Bereich gliedert sich in drei Phasen: KURZFRISTIG ist Akuthilfe gefragt, MITTELFRISTIG sind integrative Maßnahmen nötig, LANGFRISTIG geht es um eine inklusive Gesellschaft.

Die Übersicht dient einer ersten Orientierung und ist keineswegs vollständig. Gern beraten wir Sie individuell in Ihrem Engagement und in Ihrem Themenfeld!

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willkommen

Willkommen & Kennenlernen

Was sind wichtige Bedarfe?

Flüchtlinge haben einen langen Weg hinter sich. Sie sind an einem fremden Ort, mit fremden Menschen, die eine fremde Sprache sprechen und fremde Gewohnheiten haben. Flüchtlings-Familien sind teils auseinander gerissen, Kontakte nach Hause abgebrochen. Was sie brauchen, ist ein Ort zum Ausruhen und Orientierung im Alltag. Sie brauchen soziale Kontakte, um Halt zu finden und um sich an die Veränderungen gewöhnen zu können.

Gleichzeitig müssen sich auch viele Deutsche auf Veränderungen einstellen. Daran, dass in der Nachbarschaft plötzlich Flüchtlinge sind. Daran, dass da Menschen sind, die sie nicht kennen, die anders aussehen, die anders sprechen. Das macht manchen Angst. Es braucht Engagement, um diesen Ängsten zu begegnen.

Was sind mögliche Ziele?

  • Flüchtlinge fühlen sich willkommen; Deutschland ist offen für Hilfesuchende.
  • Flüchtlinge finden Kontakt zu Einheimischen und lernen Gepflogenheiten kennen.
  • Flüchtlinge haben Zugang zu IT-Angeboten, die ihnen die Orientierung und Kontaktaufnahme erleichtern (Übersetzungs-Software, Stadtpläne, Welcome Apps etc.)
  • Flüchtlinge können Kontakt zu Familie, Freunden und wichtigen Anlaufpunkten herstellen.
  • Flüchtlinge besitzen relevante Informationen, um sich vor Ort orientieren zu können.

Was können Sie tun?

  • Zeigen Sie Haltung, etwa durch offizielle Positionen oder Statements.
  • Leisten Sie Aufklärung, etwa innerhalb Ihrer Belegschaft.
  • Stellen Sie Mitarbeitende frei, damit diese sich engagieren können.
  • Finanzieren Sie Ehrenamtsinitiativen oder Koordinierungsstellen, etwa durch Zuschüsse fürs Personal.
  • Fördern Sie die Forschung und Wissensverbreitung, indem Sie Migrationsstudien finanzieren, Bedarfsanalysen unterstützen, Good-Practice-Ansätze bekannt machen.
  • Schaffen Sie einen Überblick über Willkommens-Apps u.ä. und skalieren Sie erfolgversprechende Modelle.
  • Unterstützen Sie die Entwicklung und Verbreitung von Vorlese- und Übersetzungs-Apps für Analphabeten.

Was sind wichtige Bedarfe?

Geflüchtete sehen sich vor diversen Barrieren. Um sich integrieren zu können müssen sie die Sprache lernen, mit bürokratischen Abläufen umgehen können sowie Land & Leute kennenlernen. Hierfür brauchen sie Hilfe.

Geduldete und Asylbewerber – also etwa 2/3 aller Geflüchteten – sind von normalen Regelleistungen ausgeschlossen, d.h. sie haben keinen Zugang zu Sprach- und Integrationskursen. Sie genießen nicht die gleichen Rechte und Unterstützungsleistungen wie anerkannte Flüchtlinge.

Hinzu kommt: Frauen, Kinder, Homo- oder Transsexuelle benötigen häufig besonderen Schutz.

Was sind mögliche Ziele?

  • Willkommensprojekte werden deutschlandweit angeboten. Sie werden fester Bestandteil bürgerschaftlichen Engagements.
  • Geflüchtete bauen soziale Netze auf.
  • Es bestehen ausreichend kostenlose Integrationsangebote für alle Geflüchteten, unabhängig von deren Status.
  • Geflüchtete wissen, welche Möglichkeiten ihre neuen Umgebung bietet und nutzen diese eigenständig (Sport, Kunst & Kultur, Religion…).
  • Geflüchtete werden nicht diskriminiert.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie Projekte, die Räume für Begegnungen schaffen.
  • Fördern Sie sozialraumorientierte Angebote und schaffen Sie Personalstellen (in Kinder- & Jugendhäuser, Familienzentren …).
  • Finanzieren Sie Integrationsprogramme für Geflüchtete, unabhängig von deren Status.
  • Unterstützen Sie interkulturelle Trainings (für Deutsche wie Geflüchtete gleichermaßen).
  • Investieren Sie in Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche (z.B. interkulturelle Trainings).

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

In einer inklusiven Gesellschaft ist das „Andere“ normal. Überkommene Denkmuster werden aufgebrochen: Hautfarbe, Kleidung, Sprachgewohnheiten, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung oder Fluchthintergrund führen nicht zu Diskriminierung.

Alle Menschen, ob mit Fluchthintergrund oder ohne, finden Gleichgesinnte und Orte zum Zusammenleben, an denen sie sich sicher und geborgen fühlen.

Deutschland nimmt Menschen mit Fluchthintergrund als neue MitbürgerInnen an. Geflüchtete fühlen sich als Teil der Gesellschaft und kennen deren Werte und Normen.

wohnen

Wohnen

Was sind wichtige Bedarfe?

Flüchtlinge benötigen nach ihrer Ankunft in Deutschland eine Unterkunft. Asylsuchende werden zuerst in Landeserstaufnahmestellen, dann in der Regel in Sammelunterkünften untergebracht. Asylsuchende aus sicheren Herkunftsländern bleiben dort bis zum Abschluss des Verfahrens.

Bereits bei der Registrierung kommt es derzeit zu Engpässen. Menschen warten bis zu einer Woche, bis sie eine Unterbringung zugewiesen bekommen. Notunterkünfte und die Erstaufnahmeeinrichtungen sind überlastet. Vieles wird von Ehrenamtlichen gestemmt. Die öffentlichen Kapazitäten reichen nicht aus. Zudem sind die Einrichtungen häufig fernab jeglicher Infrastruktur. Es braucht deshalb ausreichend Mobilitätsangebote.

Eine Unterbringung in Massenunterkünften ist für besonders schutzbedürftige Gruppen zudem nicht zumutbar. Alternativen (z.B. Flüchtlingsunterkünfte für Frauen oder Homosexuelle) gibt es bisher kaum.

Was sind mögliche Ziele?

  • Flüchtlinge sind angemessen untergebracht (warmer Schlafplatz, gängige Hygienestandards und Aufenthaltsmöglichkeit).
  • Vulnerable Gruppen finden besondere Berücksichtigung.

Was können Sie tun?

  • Stellen Sie leerstehende Immobilien als Unterbringungsmöglichkeit zur Verfügung.
  • Leisten Sie bedarfsgerechte Sachspenden zur Ausstattung der Unterkünfte.
  • Ermöglichen Sie Mobilität, insbesondere bei abgelegenen Unterkünften.
  • Schaffen Sie Wohnraum für besonders schutzbedürftige Personen oder fördern Sie Projekte, die das tun.
  • Stellen Sie Mitarbeitende frei, damit diese sich engagieren können und unterstützen Sie sie.

Was sind wichtige Bedarfe?

Nach Abschluss des Asylverfahrens haben Personen mit offiziellem Schutzstatus theoretisch Anspruch auf eine eigene Wohnung. Allerdings sind Geflüchtete auf eine gute Anbindung angewiesen, um Integrationsleistungen in Anspruch nehmen zu können. Faktisch gibt es allerdings vor allem in Ballungsgebieten viel zu wenige bezahlbare Wohnungen, erst recht in zentraler Lage. Noch schwieriger ist es für mehrköpfige Familien, für sie gibt es kaum angemessenen Wohnraum.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete sind räumlich in die Gesellschaft integriert (dezentrale Unterbringung in Wohnungen).
  • Wohnungsangebote sind auf die Bedürfnisse von Geflüchteten ausgerichtet.

Was können Sie tun?

  • Verfügen Sie über leerstehende Betriebswohnungen? Dann stellen Sie sie bereit.
  • Unternehmen im Immobilienbereich: Schaffen Sie Sozialwohnraum!
  • Fördern Sie digitale Lösungen zur Vermittlung von privatem Wohnraum. Integrieren Sie flüchtlingsspezifische Angebote in Standard-Immobilienportale.
  • Unterstützen Sie inklusive Wohnprojekte.

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

In einer inklusiven Gesellschaft sind Menschen mit Fluchthintergrund in allen Quartieren anzutreffen. Sie können ihren Wohnort und die Wohnform selbst wählen (Niederlassungserlaubnis). Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt gehören der Vergangenheit an.

gesundheit

Gesundheit

Was sind wichtige Bedarfe?

Der Bedarf an medizinischer Versorgung ist immens, insbesondere nach der Ankunft von Flüchtlingen. Die meisten Flüchtlinge haben Wochen oder Monate keinen Arzt gesehen. Viele kommen mit psychischen oder physischen Leidenn, die nie angemessen behandelt wurden. Kleinkinder, Schwangere, Alte u.a. – sie benötigen besondere Schutzmaßnahmen.

Kliniken erbringt erst nach amtlicher Genehmigung Leistungen, und auch dann lediglich bei schwerer Krankheit, Schwangerschaft und Geburt (sogenannte „eingeschränkte Grundversorgung“). Erschwerend hinzu kommt: die medizinischen Kapazitäten sind ohnehin viel zu gering.

Da Dolmetscherkosten nicht übernommen werden, können Betroffene ihre Beschwerden häufig nicht artikulieren. Auf der anderen Seite sind deutsche Ärzte gelegentlich mit Diagnosen und Behandlungsprozessen überfordert; allein die Abrechnungsmodalitäten sind enorm.

Was sind mögliche Ziele?

  • Flüchtlinge werden bei Krankheit medizinisch versorgt (Grundversorgung).
  • Bereits während der Registrierung wird der ärztliche Behandlungsbedarf erhoben.
  • Diagnosen und Behandlungsprozesse können angemessen durchgeführt werden.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie medizinische Hilfsprojekte.
  • Finanzieren Sie Kultur- und Sprachmittler, die bei Arztbesuchen begleiten.
  • Erstellen oder fördern Sie Online-Übersichten, aus denen Schwerpunkte und Sprachkenntnisse des Arztes hervorgehen.
  • Schaffen Sie Anlaufstellen zur kostenlosen Behandlung oder unterstützen Sie Kliniken mit entsprechenden Kompetenzen (Behandlung von Traumata und Kriegsverletzungen).

Was sind wichtige Bedarfe?

Anerkannte Flüchtlinge, Asylberechtigte und Personen mit subsidiärem Schutz sowie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge besitzen das Recht auf eine gesetzliche Krankenversicherung.

Nach 15 Monaten bekommen Asylsuchende oder Personen mit Duldung Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung – der Leistungsrahmen bleibt dennoch eingeschränkt. Viele gesundheitliche Beschwerden bleiben somit unbehandelt.

Viele Geflüchtete leiden jedoch extrem unter den Folgeerscheinungen ihrer Flucht; die allermeisten kommen nie dazu diese ausreichend verarbeiten zu können. Daher sind Traumatherapien besonders wichtig. Nur: Traumatherapien werden selten bewilligt, und Dolmetscherkosten quasi gar nicht.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete erhalten unabhängig von ihrem Rechtsstatus einen Zugang zum Gesundheitssystem (Grundversorgung).
  • Erleichterter Zugang zu Gesundheitsleistungen durch bundesweite Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.
  • Das Gesundheitssystem erkennt fluchtbedingte gesundheitliche Belastungen an und stellt gesonderte Hilfsangebote zur Verfügung, z.B. für Traumatherapie.
  • Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen fördern die interkulturelle Kompetenzen ihres Personals.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie Therapieplätze und Behandlungskosten. Helfen Sie, das Angebot an Traumatherapien zu erweitern.
  • Finanzieren Sie dauerhaft DolmetscherInnen zur Begleitung bei Arztbesuchen. Unterstützen Sie ein kostenloses und flexibel buchbares Angebot in Ihrer Region.
  • Spenden Sie an Einzelfallhilfe-Fonds, die die Kosten für Arztbesuche und DolmetscherInnen erstatten.
  • Unterstützen Sie die bedarfsorientierte Weiterbildung von ÄrztInnen und TherapeutInnen.
  • Unterstützen Sie allgemein Gesundheitsprojekte für Geflüchtete.

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

In einer inklusiven Gesellschaft finden Menschen mit und ohne Fluchthintergrund ärztlichen Rat und Behandlung im Krankheitsfall.

Es besteht ein System, das allen Menschen gleichermaßen Zugang zu angemessener gesundheitlicher Versorgung bietet.

Interkulturalität ist fester Bestandteil des medizinischen und pflegerischen Personals.

sprache

Sprachförderung

Was sind wichtige Bedarfe?

Die allermeisten Flüchtlinge sprechen weder Deutsch noch hinreichend Englisch. Viele können nicht lesen und schreiben. Dringend erforderliche Formalitäten können Flüchtlinge daher ohne Unterstützung nur selten managen. In der Akutphase braucht es deshalb dringend DolmetscherInnen.

Darüber hinaus ist es immens wichtig, dass Geflüchtete – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – sehr schnell die Deutsche Sprache lernen. Denn Integration funktioniert vor allem über Sprache.

Sprachkurse bieten aber noch mehr als nur Spracherwerb: Sie erfüllen eine wichtige soziale Funktion, weil Geflüchtete untereinander Kontakte knüpfen können.

Was sind mögliche Ziele?

  • Flüchtlingen wird geholfen, sich in Deutschland zurechtzufinden (etwa mithilfe von DolmetscherInnen).
  • Flüchtlinge erhalten Informationen in ihrer Muttersprache.
  • Flüchtlinge stehen Möglichkeiten offen, von Anfang an die deutsche Sprache zu erlernen.

Was können Sie tun?

  • Erleichtern Sie Zugänge zum niedrigschwelligen Spracherwerb, z.B. durch die Förderung von Vorlese-Apps, Sprachsoftware, Videobotschaften oder Schaugrafiken. Menschen, die nicht lesen und schreiben können, helfen Videos weiter.
  • Fördern Sie Informationsmaterialien und -medien, die auf (Bewegt-)Bilder und Grafiken setzen und weniger auf Schrift aufbauen.
  • Unterstützen Sie die Produktion und Vertrieb von Deutschlernbüchern.
  • Richten Sie einen Fonds ein, der Dolmetscherkosten trägt.

Was sind wichtige Bedarfe?

Obwohl das Angebot an Sprach- bzw. Integrationsprogrammen stetig ausgebaut wird, deckt es nicht ansatzweise den Bedarf.

Das Erlernen einer Sprache fällt erwachsenen Personen weniger leicht und erfordert ein großes Maß an Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Qualitativ hochwertige Sprachkurse, die regelmäßig stattfinden sowie unterstützende Lerntools und individuelle Begleitung helfen ungemein, all das zu bewältigen.

Zugänge zu zertifizierten Sprachkursen sind ebenfalls außerordentlich wichtig, da diese häufig Zugangsvoraussetzung für Ausbildung oder Studium sind.

Was sind mögliche Ziele?

  • Alle Geflüchteten lernen lesen und schreiben.
  • Geflüchtete verfügen über Grundkenntnisse der deutschen Sprache.
  • Fehlende Sprachkenntnisse hindern Geflüchtete nicht daran, am Alltag und Berufsleben teilzuhaben.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie Projekte, die qualitativ hochwertige Deutschkurse anbieten, und die ihr Angebot ausweiten können (Morgen-, Abend-, Intensivkurse).
  • Stellen Sie Mitarbeitende für Sprachkurse oder Sprachtandems frei.
  • Fördern oder entwickeln Sie den Spracherwerb fördernde Online-Angebote oder ermöglichen Sie einen kostenfreien Zugang zu PCs, Smartphones, Videokursen, Webinaren etc.
  • Helfen Sie bei der Vermittlung von DolmetscherInnen, z.B. indem Sie eine entsprechende Plattform fördern.

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

Menschen mit Fluchthintergrund sprechen fließend Deutsch und können sich ohne Hilfe in schriftlicher und mündlicher Form verständigen.

recht

Rechts- & Sozialberatung

Was sind wichtige Bedarfe?

Für ein faires Asylverfahren ist es nötig, dass der Asylbewerber rechtzeitig und umfassend vorbereitet wird. Er braucht Information, Begleitung und Unterstützung. Flüchtlinge kennen weder die Regeln und den Ablauf des Verfahrens, noch haben Sie Erfahrungen im Umgang mit deutscher Bürokratie. Hinzu kommt die psychische Belastung während der persönlichen Anhörung.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete besitzen alle Informationen zum Asylverfahren und verstehen diese.
  • Geflüchtete werden durch unabhängige Dritte beraten.
  • Beratungskapazitäten werden ausgeweitet.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie kostenlose Rechtsberatung.
  • Tragen Sie die Dolmetscherkosten.
  • Unterstützen Sie Organisationen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen.

Was sind wichtige Bedarfe?

Beratungen in Rechtsfragen sind ebenso wichtig wie heikel – schließlich geht es um die Zukunft Einzelner. Solche Beratungsangebote sollten daher nur unter Hinzuziehung von JuristInnen erfolgen; bei einer konkreten Rechtsberatung ist dies ohnehin zwingend vorgeschrieben.

Für diese Beratungen braucht es auch Dolmetschende. Geflüchtete können sich deren Honorar jedoch in der Regel nicht leisten.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete haben Zugang zu unabhängiger Beratung.
  • Geflüchtete kennen ihre Rechte und können diese durchsetzen.
  • Geflüchtete besitzen Klarheit über ihre Bleibeperspektive.
  • Sozialberatungsstellen verfügen über interkulturelle Kompetenzen.

Was können Sie tun?

  • Übernehmen Sie die Rechtskosten und unterstützen Sie Geflüchtete im Asylverfahren.
  • Fördern Sie Flüchtlings- und Migrations-Beratungsstellen.
  • Unterstützen Sie allgemein Organisationen, die Rechtsberatung anbieten.
  • Fördern Sie die Vernetzung und Weiterbildung von JuristInnen in spezifischen Rechtsfragen.
  • Finanzieren Sie Datenbanken, in denen spezialisierte JuristInnen verzeichnet sind.
  • Errichten Sie Einzelfall-Fonds, die DolmetscherInnenkosten übernehmen.

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

Eine inklusive Gesellschaft zeichnet sich durch ein gerechtes und für jede Seite nachvollziehbares Asylverfahren aus. Geflüchtete werden vor, während und nach dem Verfahren angemessen und unentgeltlich beraten.

bildung

Bildung & Arbeit

Was sind wichtige Bedarfe?

Flüchtlinge wollen arbeiten. Sie wollen selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt sorgen, an der Gesellschaft teilhaben und ihren Teil beitragen. Ohne gesicherten Aufenthaltstitel haben sie dazu bislang kaum eine Möglichkeit. Zwar dürfen AsylbewerberInnen unter bestimmten Umständen arbeiten, in der Praxis wird diese Zustimmung behördlicherseis jedoch selten gewährt. Für Flüchtlinge heißt das: tatenlos rumsitzen, Asylverfahren abwarten. Das ist: frustrierend.

Hinzu kommt, dass viele Flüchtlinge keine nachweisbaren Abschlüsse und Qualifikationen besitzen. Und wenn doch, gestaltet sich deren Anerkennung schwierig.

Viele Flüchtlinge müssen somit Schul- und Berufsabschlüsse nachholen, bevor sie erwerbstätig sein können. Das kostet nicht nur Lebenszeit und Geld, sondern bleibt vielen Flüchtlinge schon allein vom Gedankengang her unverständlich. Sie benötigen Unterstützung, um den Bildungs- und Arbeitsmarkt zu verstehen und eigene Wege zu finden.

Was sind mögliche Ziele?

  • Flüchtlinge erhalten Informationen zum deutschen Bildungssystem.
  • Flüchtlinge erhalten Zugang zu Bildung (Willkommensklassen, KiTa, Schule etc.).
  • Flüchtlinge werden über Möglichkeiten informiert, in Arbeit und Ausbildung zu kommen.
  • Flüchtlinge kennen die Vorteile sozialversicherungspflichtiger Arbeit gegenüber Schwarzarbeit.
  • ArbeitgeberInnen wissen, wie sie Flüchtlinge beschäftigen können.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie Projekte, die bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen über den Bildungs- und Arbeitsmarkt informieren.
  • Unterstützen Sie Programme, die bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen kostenlose Bildungsangebote umsetzen.
  • Finanzieren Sie berufsvorbereitende Sprachkurse.
  • Bieten Sie Schul- und Ausbildungs-Vorbereitungskurse oder qualifizierende Praktikumsplätze an.
  • Stellen Sie Flüchtlinge ein und bieten Sie längerfristige Arbeitsverträge, um die Zustimmung der Ausländerbehörde zu erlangen.
  • Fördern Sie frühkindliche Bildung sowie allgemeine Qualifizierungsangebote für SchülerInnen, Studierende etc.

Was sind wichtige Bedarfe?

Beim Thema Bildung handelt es sich um ein klassisches Aufgabenfeld der öffentlichen Hand. In erster Linie geht es darum, Zugänge zu Bildungseinrichtungen zu schaffen, deren Kapazitäten anzupassen und die Fachkräfte entsprechend fortzubilden. Für geflüchtete Kinder und Jugendliche gelten hier als Grundlage die Schulpflicht (Ausnahme das Land Berlin) sowie für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zudem die Regelungen des SGB VIII.

Personen mit anerkanntem Schutzstatus besitzen eine uneingeschränkte und unbefristete Arbeitserlaubnis. Entsprechend können sie Leistungen des Jobcenters sowie der Agentur für Arbeit zur Vermittlung in Arbeit in Anspruch nehmen.

Über die EU werden zudem spezielle Arbeitsintegrationsmaßnahmen für Menschen mit Bleibeperspektive gefördert. In vielerlei Hinsicht reichen diese Angebote jedoch nicht aus. Ihre Kapazitäten gilt es zu erhöhen, die Anerkennung von Qualifikationen zu erleichtern und verstärkt Beratungsangebote für Geflüchtete zur Klärung von möglichen Wegen in die Arbeitswelt zu schaffen.

Mindestens ebenso wichtig: Rechtssicherheit für Arbeitgebende.

Der Abbau von Ressentiments bei Arbeitgebenden und deren Belegschaft ist zudem eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Integration in die Arbeitswelt gelingt.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete erhalten Zugang zum Bildungssystem und werden gefördert.
  • Geflüchtete haben Zugang zum Arbeitsmarkt.
  • Geflüchtete finden Unterstützung bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen.
  • Geflüchtete verstehen die Systematik und Regelungen des deutschen Arbeitsmarkts, v.a. warum eine gute Ausbildung so wichtig ist.
  • Unternehmen bieten Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Geflüchtete an. Sie sind bereit, langfristig zu investieren.
  • Unternehmen erkennen Chancen und Herausforderungen in der Beschäftigung von Flüchtlingen.

Was können Sie tun?

  • Arbeiten Sie mit BildungsträgerInnen zusammen (z.B. Berufsschulen) und bieten Sie Praktikums- sowie Ausbildungsplätze an.
  • Vergeben Sie Bildungsstipendien.
  • Bieten Sie Flüchtlingen längerfristige Arbeitsplätze mit ausreichend Gehalt.
  • Fördern Sie wirkungsvolle Projekte aus dem Bereich Bildungsgerechtigkeit und helfen Sie, bewährte Projekte zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und Studierenden mit Migrationshintergrund auszubauen.
  • Kooperieren Sie mit Schulen sowie Jobcentern, Zeitarbeitsfirmen etc., die Flüchtlinge vermitteln.
  • Fördern Sie spezifische Bildungs- und Betreuungskonzepte für Flüchtlinge, z.B. Flüchtlingsschulen, Studienprogramme und Berufsschulen.
  • Fördern Sie Start-Ups mit oder von Flüchtlingen.
  • Ergreifen Sie Maßnahmen der interkulturellen Bildung oder Diversitäts-Schulungen, um Ihre Belegschaft zu sensibilisieren.
  • Integrieren Sie spezielle Angebote für Flüchtlinge in bestehende Produkte (Jobportale könnten bspw. um Flüchtlings-Arbeitsvermittlungs-Angebote erweitert werden).

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

Deutschland ist eine Erwerbsgesellschaft. Ausbildung und Arbeit stellen die entscheidenden Momente zu Unabhängigkeit und Selbstständigkeit dar, unabhängig davon, ob eine Person Fluchthintergrund besitzt oder nicht. In einer inklusiven Gesellschaft stehen Mittel und Wege bereit, allen Menschen einen Arbeitsplatz zu sichern, der die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

In einer inklusiven Gesellschaft können alle Menschen gleichberechtigt an dieser teilhaben und verfügen über ausreichend Mittel, sich eigenverantwortlich zu versorgen. Menschen mit Fluchthintergrund haben die gleichen Bildungschancen und Möglichkeiten wie in Deutschland Geborene.

demokratie

Demokratieförderung

Was sind wichtige Bedarfe?

Die meisten Deutschen begegnen Flüchtlingen mit Offenheit. Viele engagieren sich vor Ort, in großem Ausmaß, und über einen langen Zeitraum. Dieses Engagement gilt es wertzuschätzen und zu fördern.

Demgegenüber gibt es aber auch Menschen, die Ressentiments pflegen, hetzen oder gewalttätig werden. Solchen Worten, Taten und Menschen gilt es sich in den Weg zu stellen. Rassistische Aussagen dürfen nicht geduldet werden.

Was sind mögliche Ziele?

  • Menschen fühlen sich darin bestärkt, Flüchtlinge freundschaftlich zu begegnen und sie zu unterstützen.
  • Rassismus bleibt außen vor.
  • Verbale und körperliche Angriffe auf Flüchtlinge werden verhindert.

Was können Sie tun?

  • Lassen Sie rassistische Äußerungen in Ihrem Umfeld nicht unkommentiert.
  • Setzen Sie deutliche Zeichen gegen rechte Meinungen („Dies ist kein Raum für Rassismus oder rechte Gewalt“).
  • Unterstützen Sie Willkommens-Initiativen.
  • Sensibilisieren Sie Ihr Umfeld und Ihre Belegschaft. Bestärken Sie andere Position zu beziehen.
  • Benennen Sie AnsprechpartnerInnen für Opfer rassistischer Gewalt.

Was sind wichtige Bedarfe?

Rassistische Einstellungen sind weit verbreitet. Studien zufolge denken 50 Prozent der Bevölkerung – quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und Milieus – abwertend über Flüchtlinge.

Medien, Bildungseinrichtungen und Unternehmen können die öffentliche Meinung positiv beeinflussen. Reproduzieren sie Stereotypen, tragen sie dazu bei, Vorurteile zu festigen. Stellen sie stattdessen differenziertere Bilder oder unterschiedliche Perspektiven dar, hilft das, Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abzubauen.

Wesentlich für den Abbau von Vorurteilen ist es, Flüchtlingen eine Stimme zu geben und sie in das gesellschaftliche Engagement einzubeziehen. Nur so finden sie und ihre Geschichten auch Gehör.

Was sind mögliche Ziele?

  • Geflüchtete nehmen fremdenfeindliche Äußerungen als Minderheitenmeinung wahr.
  • Deutsche kennen Fluchtursachen und -hintergründe.
  • Deutsche setzen sich mit den eigenen Ängsten & Hoffnungen der Zuwanderung auseinander.
  • Flüchtlinge können darauf vertrauen, dass sie bei fremdenfeindlichen Angriffen Hilfe erhalten.
  • Geflüchtete arbeiten aktiv in zivilgesellschaftlichen Initiativen mit.
  • Diskriminierungen werden deutlich als solche benannt und statistisch erfasst.

Was können Sie tun?

  • Fördern Sie Projekte, die sich für Pluralismus und demokratische Kultur einsetzen.
  • Fördern Sie Bildungsangebote zu den Themen Flucht, Vertreibung, Kampf gegen Rechtsextremismus. Bieten Sie Seminare für die Belegschaft an.
  • Werden Sie sich bewusst über Ihre Vorbildfunktion & Ihre eigenen Vorurteile.
  • Fördern Sie Kunst & Kultur, die sich mit den Themen Flucht, Vertreibung, Rechtsextremismus etc. auseinandersetzt.
  • Fördern Sie den Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen.
  • Fördern Sie Projekte, die die Perspektiven von Flüchtlingen aufgreifen.

Wie eine inklusive Gesellschaft aussieht

Eine inklusive Gesellschaft beruht auf dem demokratischem Miteinander von hier Geborenen und Zugezogenen.

Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft kommen dabei ihrer jeweiligen Verantwortung nach:

– Die Politik fördert die Entwicklung von mündigen BürgerInnen. Die BürgerInnen begreifen sich als Teil einer pluralen Gesellschaft.

– Die Zivilgesellschaft zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie auch den Anliegen von Minderheiten Gehör verschafft.

– Die Wirtschaft fühlt sich sozialen Interessen verpflichtet und legitimiert ihr Wirken durch ebendiese. Externe Kosten wälzt sie nicht auf Dritte oder in die Zukunft ab.